WLZ 15.10.2005
Tierheilpraktiker Norbert Krott betreibt in Frankenberg-Hommershausen eine Praxis für Pferde, Hunde und Katzen

  

Ein letzter Rettungsanker für kranke Vierbeiner

 

 

Quelle: WLZ/FZ 15.10.2005 

 
Frankenberg-Hommershausen (sz).

Norbert Krott kann nicht mit Pferden sprechen. Wer ihn auf den „Pferdeflüsterer“ anspricht, erntet höchstens ein amüsiertes Lächeln. Aber der Tierheilpraktiker kommuniziert auf seine eigene Art sehr wohl mit seinem vierbeinigen Patienten – und oft kann er ihnen auch helfen, wenn die Möglichkeiten konventionellen Medizin längst ausgeschöpft sind.

Der gebürtige Frankenberger hatte eigentlich geplant, Menschen zu kurieren; 1996 habe er mit der Ausbildung zum Heilpraktiker begonnen, erzählte er. „ Dann habe ich aber eine Gastvorlesung über Tierheilkunde besucht und gemerkt, dass mir die Arbeit mit Tieren mehr liegt als die mit Menschen.“ Also absolvierte Krott eine Tierheilpraktikerausbildung.

Nach seinem Abschluss im Jahr 1998 vermittelte ihm ein Bekannter ein Haus in Hommershausen, wo er bis heute seine Tierheilpraxis betreibt. Seine Behandlungsschwerpunkte hat er auf Homöopathie, Chiropraktik und Akupunktur gelegt. Er kuriert nicht nur Pferde, sondern auch Hunde und Katzen.

Wie Tag und Nacht

„Schulmedizin und Naturheilkunde, das ist ungefähr ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt der 39-Jährige. „Wenn ein Tier zu mir gebracht wird, versuche ich nicht nur, seine Erkrankung zu heilen, sondern auch die Psyche und Vorgeschichten des Tieres einzubeziehen. Dadurch kann ich herausfinden, wie die Krankheit überhaupt entstehen konnte.“ Für einen Großteil der gesundheitlichen Probleme seiner Patienten sei der Mensch der Auslöser, berichtet Norbert Krott.

Zu häufig beachteten Besitzer die Grundbedürfnisse ihrer Tiere nicht: Viele Pferde etwa würden für den Leistungssport getrimmt, obwohl sie gar nicht die körperlichen Voraussetzungen dafür mitbrächten. Rückenprobleme, Arthrose, Erkrankungen der Atemwege und Allergie gegen Pollen – das sind Diagnosen, die er bei Reitpferden häufig stellt.

Meist haben seine chronisch kranken Patienten bereits eine Behandlung mit konventionellen Methoden hinter sich. „Dann bin ich oft der letzte Rettungsanker für ihre Besitzer“ sagt Krott. Sein Naturheilverfahren mit homöopathischen Medikamenten betrachtet er deshalb nicht als Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern als ihre Ergänzung. Viel Zeit nimmt er sich für seine vierbeinigen Patienten, fährt dazu oft weite Strecken und führt Vorgespräche mit ihren Besitzern: „ Denn ich muss wissen, wie sich das Pferd in seiner natürlichen Umgebung verhält, wenn es gesund ist. Erst dann kann ich an den Veränderungen feststellen, was ihm fehlt.“

Dazu schaut er ganz genau hin: Sind die Augen trüb statt klar, ist das oft ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Pferde zucken zusammen, wenn der Tierheilpraktiker beim Abtasten eine schmerzhafte Stelle erwischt, oder sie legen die Ohren an und heben ein Bein an. „Dann kann es sein, das man sich eine fängt“, sagt Norbert Krott. Das hat er in seiner Laufbahn schon so manches Mal erlebt, bisher sei es immer glimpflich ausgegangen. Er nimmt es gelassen: „Berufsrisiko.“

Auch negative Erfahrungen

Was ihm dagegen wirklich weh tut, ist die Erfahrung, einem kranken Tier nicht immer helfen zu können: Für einen Hund mit Staupe etwa konnte er vor Jahren nichts mehr tun, weil sein Immunsystem schon zu sehr geschwächt war. „Dann fühlt man sich machtlos. Aber ich hatte auch das Gefühl, er wollte gar nicht mehr“, erinnerte sich Krott.

Doch auch Erfolgserlebnisse sind ihm im Gedächtnis geblieben: Da war ein 16-jähriges Springpferd, das kaum laufen konnte, Arthrose, Blockaden und Entzündungen im Rücken hatte. Dieser Stute habe er viele Spritzen gegeben , ihr spezielle Goldimplantate eingesetzt, die Reize auf die Muskulatur ausüben – „und danach konnte sie an höheren Sprungklassen teilnehmen wie vorher“.

Bis solche Erfolge sichtbar werden, kann die Behandlung im Naturheilverfahren mehrere Wochen oder sogar Monate dauern – Akupunktur und Naturmedizin wirken nicht immer sofort. „Vor allem am Anfang musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten, um als Tierheilpraktiker ernst genommen zu werden“, blickt Krott zurück.

Die verklärte Sicht auf seinen Beruf als „Pferdeflüsterer“ entkräftet der Frankenberger: „Die Pferdeflüsterei ist eine Zirkusnummer. Die Tiere werden darauf dressiert, auf bestimmte Körpersprache mit einem bestimmten Verhalten zu reagieren. Aber wenn man da inkonsequent ist und diese Methode nur ab und zu vor Publikum vorführt, dann hat das keinen Sinn.“

Mehr als am Applaus liegt Norbert Krott am Wohl seiner Patienten.